Frühstück

Ich wünschte ich wär' das Räse
in deinem Lutzenreuther Käse.
Auf deiner Semmel in der Frühe
wär' ich das Stückchen ohne Mühe.

Ich wünschte ich wär' einmal g'rade
deine Erdbeermarmelade.
Auf einem Brote dann am Morgen
könnt' ich mir deine Lippen borgen.

Ach wär' ich doch dein Frühstücksei!
Hart oder weich, es gäb' kein Meckern.
Tag für Tag wär' ich dabei

und könnte dich bekleckern.
Doch wenn ich es realistisch seh',
bin ich nur manchmal dein Kaffee.

  Autor: Wolfgang Appell
 

Morgenstunde

Noch netzt der Tau den sonnenlichten Morgen,
und ferne Berge befrieden meinen Blick.
Der Schneck will's seinem Schneckla jetzt besorgen.
Er sehnt sich nach Familienglück.

Drüben im Dorf schenkt stetes Turmuhrschlagen
dem Tag die Reife und fordert auf zur Tat.
Da höre ich das liebe Schneckla fragen:
"Schatz, hast du noch Lust auf Kopfsalat?"

"Lass' uns doch eine Spur ins Gärtla schleimen,
und naschen beide nur ein frisches Blatt."
Jedermann kann hier das krude Ende reimen:

Ein Schneckla wird von einem Blatt nicht satt.
Als treue Kunden, wie immer, heiß umworben,
sind beide jüngst an Schneckenkorn verstorben.
   
 

Wandern

Wandervögel paaren, reich an Jahren,
heute sich im feuchten Wiesengrund.
Stolz mit Stöcken staken sie in Scharen
morsches Gebein, und halten's für gesund.

Fünf Schritte hinter meinem Weibe
hauch ich mit letzter Kraft: "Grüß Gott!"
Wenn ich im Tale auf der Strecke bleibe,
schreibt auf den Stein: Sie war für mich zu flott.

Sie motiviert und seufzt: "Nur noch ein Stückchen!"
Doch ich, ich gehe lange schon am Krückchen.
Nie soll weiter sich mit Nordic-Stöcken plagen,

schweißgebadet und hochrot der Gatte,
als ihn ohnehin die Füße tragen
zu einem Pils, weil er noch keines hatte.
   
 

Für Herzine

Auf Deiner Sonnenliege liest du ein Buch.
Ich schau’ dich an und danke dir.
Mein Neid gilt nur dem Badetuch.

So viele Jahre schon bist du bei mir.
Ich habe dafür großes Staunen.
Du kennst mich doch, doch du bist hier.

Warum, warum? Die Mauern raunen:
“Leben sie nicht längst getrennt?“
Selten bettet Liebe sich auf Daunen.

Wer im Herzen dich erkennt,
dem bleibt ewig dich zu lieben,
so ewig, wie ein Stern am Firmament.

Du gingst fort und bist geblieben.
   
 

Stehseicher

Im Bergwald vollgedröhnt mit Wasser
streicht eine Wolke und wird nasser.
Hat schließlich sie erreicht den Gipfel,
hebt sie vom Stehseicher die Zipfel.

Jetzt darf sie pinkeln, brunzen, pieseln;
so lässt sie's fließen, rinnen, rieseln.
Vom Drang erlöst am Hang sie lauscht,
wie ihre Flut durch's Tobel rauscht.

Schon nähert sich die große Schwester
dem Pfänderspitzenpissoir,
und diese ist noch viel durchnässter,

als es die kleine Schwester war.
Doch roter Wein dir Tröster ist
bis die Geschwister sich verpisst.
   
 

Jause

Im Kirschbaum spät die Sonne hängt
vom Badetag ermattet.
Der Vater sich das Bier einschenkt,
endlich ist er beschattet.

Sommer ist´s und Zeit zur Jausen,
vom Tal die Schumpenglocke schellt.
“Sieh doch wie die Hunde sausen,
und übern Hang die Ruhe quellt.“

Wohlgeschmeckt der Leib sich weitet,
die Seele schweift, das Auge gleitet.
Die Küh´ im Stall, sie wiederkäuen,

um sich am Halm erneut zu freuen.
Ihr Friede soll auch meiner sein!
“Ach Weib, geh her, schenk nochmal ein!“
   
 

Abends am Pfänder

Taubenblau der See sich weitet
mit einer Schärpe aus Brokat.
Auf Abendgold das Auge gleitet
bis zu fernem Dunstgestad'.

Zinnoberrot am Himmelsrand
erglüht die Sonnenscheibe.
Karmin geschminkt, mit gelben Band,
rückt sie dem Land zu Leibe.

Tief unten hüllt das Perlenlicht
die Straßen und das Streben,
und überm Berg die Nacht verspricht

mal eben Liebe, Lust und Leben.
Wer hier nicht sinnt bei rotem Wein,
hat Herz und Augen wohl aus Stein.
   
 

Zur blauen Stunde

Wenn das Licht in kalknen Gipfeln siecht,
und Dämmerung heimlich durch Gräser kriecht,
denk' ich umwölkt beim welschen Weine:
"Schau her! Der Urlaubstag lässt mich alleine."

Jetzt aus dem Dache fledern, flattern
samten die Harpien der Nacht.
Der Wiesenschreck beginnt zu tattern
und Falter werden umgebracht.

Der Schrecken streicht und geiget
im Kerzenschein, so wunderbar,
und aus den Wiesen steiget

folgsam die Falterschar.
Trunkengeil, voll Pheromon,
verbrennt sie dann auf dem Balkon.
   
 

Im Paradies

Still der Säntis wehrt die Sommergluten,
und lockt vom Horizont sich stete Wolkengischt.
Liebevoll die Nebel ihn umfluten,
und Ruhe sich in meine Seele mischt.

Tief die Sonne hellt den See zum Tiegel,
und langer Schatten wellt die Wiesen ostwärts.
Abendglanz ist meinem Sinnen Spiegel,
und füllt Vergangenheiten in mein Herz.

Gern gedenk' mit euch ich ferner Zeiten,
auch wenn der Jahre Kluft sie arg zerstückt.
Damals wollten wir das Leben reiten,

und hin und wieder ist uns dies geglückt.
Lasst uns die Zeche nun begleichen,
als Letzte im Paradies die Segel streichen.